Grand Ecuyer- Gedanken über die Reitkunst & Légèreté, Guérinière bis Baucher

DVD der Bückerburger Hofreitschule

Mai9

Mit viel Freude habe ich mir den Trailer der neuen DVD der Bückerburger Hofreitschule angesehen. Zeigte dieser doch bereits sehr schöne Bilder längst vergessener Lektionen, Reitkunst auf hohem Niveau – in Leichtigkeit ohne Zwang, stolze Hengste in edlem und passenden Ambiente.
Willkommene Kontraste zu den sonst üblichen Bildern des Sportgeschehens, fern von Diskussionen über LDR, Rollkur etc.


Die kurzen 2,5 Minuten machten Interesse das komplette Werk zu sehen, zumal mein letzter Besuch vor Ort nun schon mehr als ein Jahr zurück liegt.
Neugier war also geweckt und eine DVDs übers Reiten zum Preis von 19,90 Euro ist dazu verglichen mit anderen Werken für den Bildschirm ja geradezu ein „Schnäppchen“.

Der Versand erfolgte dann umgehend und so hatte ich 1,5 Tage später die DVD im Briefkasten – die Bückeburger Schulreiter durften also meinen Abend gestalten.

Der Film startet mit einer Einleitung durch Christin Krischke, die auch den restlichen Kommentarteil der DVD übernimmt. Das freute mich sehr, versteht sie es doch auf eine ganz besondere Weise den Zuschauer mit ihrem erzählerischen Sprachstil, abzuholen und mitzunehmen auf eine Reise in eine andere Welt. Eine Art und Weise, welche ich bereits vor Ort in Bückeburg immer genossen haben und welche das Bild so abgerundet hat. Besucher der Hofreitschule werden dies sicherlich ebenfalls nachvollziehen können.
Im Einleitungsteil wird auch noch einmal darauf hingewiesen, was die Reitkunst vom Sport unterscheidet – sie ist nicht messbar! Sie lässt sich nicht bewerten und wird nicht verglichen.
Dies macht deutlich, dass der Weg des Reitkünstlers nicht der eines Gewinners oder Verlierers ist – es wird nicht nach Tricks gesucht und Zeit spielt keine Rolle – im Gegenteil: Pferd und Reiter können den Weg der Kunst sehr lange beschreiten und die Pferde werden dabei gesund erhalten und können bis ins hohe Alter auf höchstem Niveau Lektionen mit Stolz und Anmut präsentieren.
Nach dem Einleitungsteil geht es über zu den Gewandungen der Hofbereiter. Erklärt wird neben der Kleidung für die Herren, auch die Kleidung für die Dame, im Damensitz, so wie im Herrensitz.

Danach begiebt man sich mit den Hofbereitern auf eine Reise durch die verschiedenen Lektionen der Reitkunst:
Wir sehen Lektionen, die den meisten nur aus Kupferstichen bekannt sein dürften: Pesade, Levade, aber auch Piaffen und Passage
Urplötzlich werden Kupferstiche lebendig und man erfährt nicht nur Namen der Lektionen, sondern auch ihren Sinn in der Anwendung.
Erklärt werden die einzelnen Seitengänge und, wie sie in anderen Lektionen verwendet werden, oder diese ermöglichen – z.B. im Repolop.
Es folgen Lektionen von denen viele bisher nicht einmal gehört haben dürften: Sarabande, Pasaden, Falkaden
Weiter geht es zu Schulsprüngen, wir sehen Kapriolen, Balotaden, Croupaden.

Das Faszinierende an dem Gezeigten ist aber nicht das Ambiente oder die „Kostüme“ – diese sind hingegen zum mancherorts üblichen „Kostümreiten“ ein „schönes“ Beiwerk, eben Ausdruck der Darsteller bzw. sie runden natürlich das Bild ab, da man sich auf eine „lebendige“ Zeitreise in vergangene Epochen begiebt – als die Reiterei einen anderen Stellenwert und ein anderes Ideal, als auch Niveau hatte, als sie es heute hat.

In den Bann gezogen hat mich aber vor allem die Leichtigkeit der gezeigten Reiterei – egal welche Lektionen dem Zuschauer näher gebracht werden, so entsteht an keiner Stelle der Eindruck, dass diese dem Pferd unter Zwang beigebracht wurden oder nur heruntergespult werden. Im Gegenteil man sieht stolze Pferde, welche mit Glanz in den Augen zu strahlen beginnen und manchmal sogar den Eindruck erwecken, als wenn die gezeigte Lektion von höchster Schwierigkeit, in der Ausführung eine „Kleinigkeit“ gewesen wäre…

Im Gegensatz zur heutigen Reiterei gleich welcher Kategorie steht nicht der direkte Wettbewerb, mit dem Ziel eines Sieges im Mittelpunkt, sondern die künstlerische Beschäftigung mit dem zur damaligen Zeit üblichsten Fortbewegungsmittel – dem Pferd.
Dieses bekommt durch den Ausbilder einen Rahmen – in dem es sich nicht nur zur Höchstleistung eigener Möglichkeiten entwickeln kann – sondern auch darf.
Statt einem höher und weiter unter Inkaufnahme von Verschleiss und Zerstörung des inneren Wesens, sehen wir Pferde, welche in der Ausbildung immer stolzer werden, mehr Ausdruck bekommen und teils von unantastbarem Selbstbewusstein.
Zeit wird nebensächlich und sie wird gegeben. Dabei erhalten die Pferde einen Rahmen für eigene Expression – und DÜRFEN sich auch mit eigenem Charakter entwickeln .
Es wird klar: wer sich auf diesen Weg begiebt wird SEHEN worin die Unterschiede zur heutigen Beschäftigung mit dem Pferd begründet sind – mögen manche der gezeigten Lektionen spektakulär aussehen – so liegt die Grundlage in sehr unspektakulären Grundlagen: Zeit, Vertrauen und vor allem Respekt – Eine Basis die erst solche Dinge möglich machen.
Erst auf Basis dieser Arbeit entsteht dann der Anschein eines Tanzes…
Leider baut der Sport auf Basis von Zucht und Geld. Erfolg wird begründet auf eine Selektion aus tausenden.
Spektakel entsteht leider oft auf Basis von Strafe oder Überforderung - oft auf Kosten der Pferde . Denn nicht „Können“ beherrscht das Geschehen, sondern Geld und sehr oft auch Skrupellosigkeit.
Aber Pferde zum Strahlen zu bringen – ja sogar fehlerhafte und bereits aufgegebene, das vermögen nur wenige.
Zurück zur DVD:
Neben dem lebendigen Überblick über die einzelnen Lektionen erfolgt anschliessend eine Vorführung der „angewandten Reitkunst“. Denn nichts ist den Bückeburgern ferner als mit den Pferden Lektionen einzustudieren, nur um dem Zweck ihrerselbst – sondern sie sollten möglichst immer eine Anwendbarkeit haben:
Wir sehen das Fechten zu Pferd, das Ringstechen, einen Waffengarten und berittene Falknerei.
Wichtige Voraussetzung ist das sogenannte „Tummeln“ – bei der man Pferde in einer Wendigkeit und Präzision sieht die ihresgleichen sucht.
Im Bonusteil hält die DVD dann noch einen Überblick über die Pferde der Hofreitschule bereit, in dem man über Abstammung und Alter der Hengste informiert wird.

Am Schluss wird mir einmal mehr deutlich, warum ich mich für die Reitkunst begeistern kann und warum sie ein lohnenswerter Weg ist:

Das Spektakuläre im Sport – gleich welcher Kategorie – bringt die Massen
zum Grölen, Klatschen und Schreien.

Die Kunst ein stolzes Pferd zum tanzen zu bringen schafft es hingegen manche dazu zu bringen
vor Freude zu weinen!

Die DVD ist wirklich lohnenswert – zeigt sie doch eindrucksvoll, warum eine Reise nach Bückeburg so wertvoll ist und worin sich diese kleine Hofreitschule von anderen Institutionen unterscheidet. Sie bewahrt jahrhunderte alte Traditionen der Reitkunst „lebendig“ – bietet Kontraste zu üblichen Bildern und nimmt Zuschauer, gleich ob Reiter oder nicht, mit auf die Reise in längst vergessene Epochen.
Die „inneren Bilder“, welche beim zusehen entstehen prägen sich eindrucksvoll ein und allein durch diese gelingt es sicher vielen Pferden und Reitern ein „besseres Reiten“ zu ermöglichen, in Leichtigkeit, bei der Harmonie im Mittelpunkt steht – ungefragt der Schwierigkeit.
Wer im Kopf die Kunst vor Augen hat – kann auch sein Pferd zum Strahlen bringen und selbst zum Künstler werden.
Mit der Leichtigkeit als Grundsatz kann man alles erreichen – aber MUSS nichts.
Die Pferde werden es uns danken….

Genussvoll Reiten in der Légèreté… schon probiert?

Oktober5

Kürzlich hatte ich nun endlich das Glück, Pascal Berthiers Erstlingswerk „Genussvoll Reiten in der Légèreté, schon probiert“ zu lesen.
Was soll ich sagen? Ich habe es erst nach 2 Tagen weggelegt und und bereits zu Ende “gelesen”.

Natürlich ist es nach wenigen Tagen erst komplett „gelesen“ - und nur halb “erfasst” und noch gar nicht “bearbeitet”….aber schon jetzt möchte ich Pascale danken, dass Sie mein nicht gerade kleines Bücher-Regal mit einem “aussergewöhnlichen” Werk bereichert!

Es war sehr erfrischend das Buch (zunächst als „Roman“, später dann als hilfreiches Werk bei der Arbeit) zu lesen, denn es hatte etwas, was viele Bücher im Bücher-Regal eines Reiters nicht haben:
Humor!
Es macht fröhlich, man kann schmunzeln und auch mal herzhaft lachen, natürlich war es auch noch traurig, ohne aber im Kern auf die Vermittlung von nützlichem Wissen zu verzichten.
Die Lektüre hat mir, der leider nur sehr wenig “persönlich” mit Jean Claude in Kontakt gekommen ist, sehr viele Erinnerungen, an jene Tage im Jahre 2008 bei uns in Bochum, zurückgebracht.
Noch heute sehe ich meinen Unterricht (und den unserer Tochter) bei diesem großen Reitmeister vor meinen Augen (und habe die Stimmen von Jean Claude Racinet und auch Pascale Berthier im Ohr) und so erfreut es mich diese besondere Person, die Jean Claude Racinet war, in diesem Buch erneut näher kennengelernt zu haben.
Natürlich erfährt man auch eine Menge über Pascale Berthier, ihren Humor, ihre Beziehung zu Racinet und sieht wie das Wissen, welches Racinet mit ihr teilte nun über sie an andere weitergegeben wird.
Als Leser der Werke Racinets hatte ich viele der fachlichen Anweisungen schon einmal gelesen, oder aus Erzählungen und Diskussionen von Ihnen gehört, aber schön, dass dieses Wissen nun auf so ganz andere Art wieder entgegengebracht worden ist.
Denjenigen, denen die Bücher von Jean Claude manchmal ein wenig zu fachlich und komplex erscheinen, bietet Pascale Berthiers Buch einen idealen Einstieg in die Reitweise der Légèreté.

Aber nicht nur bereits niedergeschriebenes Wissen Racinets wird neu aufbereitet, sondern auch bisher wenig Festgehaltenes, wie das Longieren nach Racinet, wird erstmalig überhaupt in Text und Bild festgehalten.
Die Art und Weise, wie Racinet mit der Biomechnaik eines Pferdes, vor allem mit den individuellen Problemen eines jeden Pferdes, gearbeitet hat, fasziniert mich noch heute.
Den am Ende des Buches festgehaltenen Dialog zwischen Pascale Berthier und Frau S.W. kann ich mir sehr gut vorstellen, da ich der Stunde von Frau S.W. bei Racinet zugesehen habe.
Es war eine beeindruckende Lehreinheit, bei der ein Pferd als Individuum, mit seinen physiologischen Problemen im Vordergrund stand und in der sich ein großer französischer Reitmeister und eine Osteopatin auf Augenhöhe unterhielten. In kürzester Zeit konnte man beeindruckende Veränderungen an der psychischen, als auch an der physischen Verfassung des Pferdes bemerken.
Diese Veranstaltung war mit prägend für die Idee eine Ausbildung zum Physiotherapeuten für Pferde zu beginnen - um so interessanter war es, eben dieses Pferd von Frau S.W. in dieser Ausbildung erneut anzutreffen!
Auch wenn die Légèrté den meisten Reitern noch sehr unbekannt ist, so stellt sich heraus, dass Viele ein Interesse daran haben “umzudenken”.
Denn ihnen ist klar: Etwas in der heutigen Reiterei stimmt nicht.
Lediglich ein greifbarer Ansatz fehlt Ihnen.
Erklärt man Ihnen aber die Hintergründe so werden sie immer neugieriger und sind fasziniert von den Grundgedanken der Reitweise der Légèreté.

Hier kann man sehr gut Physiotherapie und die Lehren Racinets verbinden – denn wie Pascale Berthier es ebenfalls im Buch wiedergibt, hatte Racinet stets versucht seine Theorien und Lehren fachlich zu erproben und biomechanisch zu untermauern.
Physiologische Probleme des Pferdes sind oft reiterlich zu suchen und Racinets Anliegen, und das war so bewundernswert, lag nicht in der Weitergabe von Phrasen und Floskeln, sondern er stellte das Pferd in den Mittelpunkt und versuchte die Probleme und vor allem deren Ursachen zu ergründen, zu behandeln und zukünftig zu vermeiden.
Die Légèrete könnte man in Ansätzen auch als osteopatisches oder physiotherapeutisches Reiten bezeichnen.
Gut - die Nutzung der Légèreté ist für die Zunft der “Physiotherapeuten” und „Osteopathen“ gar nicht so gewinnbringend… wenn sie sich ausbreiten würde - sie würden teils arbeitslos… :)

Daher also zunächst Danke an Pascale Berthier für die Stunden der Unterhaltung und ich freue mich darauf Dir zukünftig von den Stunden der Information zu berichten…
wenn es dann gilt das Wissen um den Einsatz in der Praxis zu erarbeiten…
Ausserdem hoffe ich natürlich ,dass Pascale Berthier weiterhin Ihr Wissen mit uns teilen wird.

Warum Leichttraben – nicht leicht ist

September4

In Deutschland lernt man es von klein auf – es ist auch die üblichste Art der Fortbewegung zu Pferde in jeglicher Reitbahn. Meist schon nach kurzer Schrittphase beginnen die Reiter gleich jeden Alters mit dem „Leichttraben“.

Ziel ist es das Pferd zu „lösen“ und nicht mit dem Gewicht des Reiters zu belasten, dabei soll das innere Hinterbein (das auf welchem man Leichttrabt) – zum vermehrten Durchschwingen – also Vorgriff angeregt werden.

Es handelt sich dabei um DIE Basisarbeit der „modernen“ Reiterei – doch wofür ist diese Basisarbeit nun gedacht – wofür ist sie Basis? Und hält sie was sie verspricht?

Und dann stellt sich die Frage – hat diese Art der Fortbewegung in der Dressurausbildung des Reiter einen Mehrwert?

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Die Firma Passier und Ihr „Traum“ von Reitkunst

August24

Als ich kürzlich eine Ausgabe eines aktuellen deutschen Reiter-Magazins in den Händen hielt, war ich zunächst angenehm überrascht.

Die Rückseite der Ausgabe zierte eine ganzseitige Anzeige der Firma Passier, deren Gestaltungsmittelpunkt ein colorierter Kupferstich aus besseren Tagen der Reitkunst ist.

Der Kupferstich war schnell als einer der mir wohl bekannten Stiche von Johann Elias Ridinger auszumachen.
Allerdings wurden Teile des Kupferstich mittels einer Bildbearbeitung um „Produkte“ aus dem Hause Passier ergänzt bzw. besser gesagt „ersetzt“. So sitzt der Reiter nun auf einem „englischen“ Sattel (samt seltsam Anmutender Satteldecke) und die Zäumung samt Kandare und Zügel wurde durch ein Exemplar aus dem Sortiment des Herstellers ersetzt.

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Mein erster Gedanke galt – ohne genauere Betrachtung der weiteren Details – der Frage: Wie kommt es, dass eine für Reit“sport“-Artikel bekannte Marke wie Passier sich mit Elementen der Reit“kunst“ in Verbindung bringt?
Wo doch, meiner eigenen Meinung nach, sich diese beiden, sagen wir „Sparten“ der Reiterei, sehr schlecht verbinden lassen.
Doch die Vorstellung, ja der nicht enden wollende Glaube, an die so „klassischen“ Wurzeln und durchgehenden „Reinheit“ der Lehre der heutigen Sportreiterei scheint in dieser Anzeige Ihren Höhepunkt der eigenen Verblendung, gewollt oder ungewollt, nun auch bildlich zum Ausdruck zu bringen.
Bei genauerer Betrachtung der Anzeige und vor allem der Art und Weise der nicht gerade sorgfältig eingebrachten „Bildbearbeitung“ führt die renomierte Firma Passier die „Tradition“, welche man eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, ad absurdum, ja präziser zum Ausdruck gebracht, muss man ihr für das „neu zusammengestellte“ Ergebnis der Darstellung eines Reiters in einer Lektion zu Pferde, jegliche Fachkompetenz in Sachen Reiterei, Reitlehre und auch in Sachen Ausrüstung absprechen.
Die Firma Passier blickt auf eine sicherlich „lange“ Tradition und Geschichte zurück. Seit dem Jahre 1860 existiert die Firma bereits – und anscheinend möchte man diese Tradition in der Art der Gestaltung zum Ausdruck bringen.
Leider beginnt schon hier die „Seltsamkeit“ der Komposition – denn Ridinger präsentierte seine Kupferstiche bereits 100 Jahre vor Gründung der Marke Passier – ungeachtet der weiteren Details, finde ich es höchst unprofessionell sich zeitlich so „falsch“ zu positionieren. Denn die Reitkunst befand sich gerade in den folgenden 100 Jahren erneut „sehr“ im Wandel.
Nun wird es sicherlich einige Anhänger der heutigen modernen „Fortbewegungslehre im Sattel“, geben welche die zeitliche „Unschärfe“ dieser Anzeige als Haarspalterei ansehen.
Allerdings liegen genau in diesen Unschärfen die Ursachen für die Fehlleitung der heutigen Reiterei und dem Weg in die Sackgasse in der sie sich befindet.

Statt sich wirklich mit der Geschichte der Reiterei auch vor 1937 (überarbeitete Ausgabe der HDV 12) auseinanderzusetzen und das hinterlassene Wissen alter Meister zu bewahren und vor allem zu respektieren, schafft man sich den eigenen „Traum“ einer Geschichte. Man bezeichnet die eigene Lehre als klassisch, als traditionell und rein – ohne selbst genauer zu werden, wohin man diese Lehre denn zurückverfolgen könnte.
Statt Traditionen zu bewahren isoliert man sich mehr und mehr von der Geschichte und schlimmer noch vor allem kapselt man sich von über Jahrhunderte hinweg entwickelten Erfahrungen über die Reiterei ab. Man erschafft sich so ein eigenes Bild und einen Traum der Reit“kunst“, der sich nie erfüllen wird.
Kehren wir zurück zur Anzeige, so fällt neben der falschen zeitlichen Positionierung, vor allem die Einbringung von „Fotomaterial“ auf.
Im Original verwendet der Reiter selbstverständlich und sicherlich zeitgemässes aber auch „sinngemäßes“ Handwerksezug, die Kandare mit schmalen Zügeln, einhändig geritten und einen Schulsattel, den heutige Reiter allenfalls als Barocksattel bezeichnen würden, sofern sie einen solchen überhaupt kennen, da der Irrglaube besteht, dass die bei „Kostümreitern“ so oft verwendeten Stierkampfsättel aus Spanien oder Portugal, eben solche Sättel „wären“. Das Unwissen von schlechten Handwerkern, die sich zum Schaden ihrer eigenen Zunft als „Sattler“ bezeichenen, um diese Art Sättel, bzw. das eigenmächtige Handeln der Kostümreiter, verschafft der „Bezeichnung“ Barocksattel über dies auch noch ein völlig schlechten Ruf und Pferden kranke Rücken.
Allerdings ersetzt die Firma Passier den im Original verwendeten Schulsattel, welcher übrigens vortrefflich anatomisch zu Pferderücken und Reitergesäss zu passen scheint, gegen einen heutzutage „modernen“ „englischen“ Sattel. Das Größenverhältnis – wir hoffen mal, dass hier der Praktikant der reiterlich nicht bewanderten Werbeagentur am Werke war, erzeugt allerdings eine sehr gute Darstellung des Dilemmas vieler Reiter und Pferde – der Sattel passt überhaupt nicht zu Reiter und Pferd. In dieser Größe bzw. Länge würde der Sattel dem barocken Pferde auf die Lendenwirbelsäule drücken. Ein zur Zeiten Ridingers gerbäuchlicher Schulsitz mit locker herabhängendem Bein und locker abgekipcktem Becken ist darüber hinaus in einem heute leider oft zu einer „Sitzprotese“ verkommenen Sattel gar nicht möglich – da die angebrachten Pauschen den Sitz des Reiters in solcher Art unmöglich machen.
Warum allerdings eine Firma, welche für qualitative Sattelherstellung stehen möchte einen völlig unpassende Kombination Sattel-Pferd abbildet ist mir schleierhaft.
Die handwerklich wirklich ungeschickt angebrachte (eventuell auch vergessene) Satteldecke lassen wir einmal weiter undiskutiert.
Neben dem Sattel wurden aber weitere „Produkte“ ins Bild „retuschiert“ – So wurde wie bereits erwähnt die blanke Kandare, Zaum und Zügel, gegen aktuellere Artikel der Firma Passier ersetzt.
Das Reithalfter ist sicherlich für das Gesamtbild nicht so wichtig – Art, als auch Position des Gebisses und vor allem die Zügelführung und deren Spannung zeigt erneut auf, dass man heutzutage eine völlig falsche Vorstellung von „barocker“ Reiterei auf hohem Niveau besitzt.
Im Original bei Ridinger hängen die einhändig geführten Zügel des Reiters durch, und das Gebiss befindet sich in einer sagen wir ruhenden Postion. Der Reiter zeigt Reitkunst auf hohem Niveau, bei der die „Anlehnung“ des Pferdes sich auf das Gewicht des Leders der Zügel reduziert ausreicht um das Pferd zu führen. Das Pferd wurde zu dieser Zeit „gelenkt“, in dem der Zügel (ohne Zug am Gebiss) seitlich an den Hals des Pferdes „gelegt“ wurde. Ein wenig „Mehr“ an Zügelaufnahme, bzw. Zug wurde lediglich für die Stellung benötigt, oder um einen Arret zu geben, das Pferd mehr zu setzen, die Gangart zu wechseln, oder um es zum Halten zu bringen, eine Parade zu reiten etc.
Der „Pixelschubser“, also derjenige, welcher das Bild retuschiert hat, bringt nun eine absurde Idee der heutigen Reiterei in vortrefflicher Darstellung ein – nämlich, dass man Pferde nur Reiten kann, in dem man die Zügel in „Anspannung“ ohne Durchhang, hält. Darüberhinaus wird der Zug der Zügel sogar noch über dieses Mass hinaus erweitert, also Kraft aufgewendet, denn das Kandarengebiss befindet sich nicht in Ruheposition, sondern nahezu im Anschlag. So würde man allenfalls ein wild durchgehendes Rennpferd versuchen zu „bearbeiten“ (ohne dass es sinnvoll wäre) – Reitkunst bzw. feine Reiterhand ist das nicht.
Bei der Reitkunst ging es aber um „Ausdruck“, „Eleganz“, „Anmut“, fern jeder Kraftaufwendung und sportilicher Leibesübung.
Anhänger der heutigen Sportreiterei mögen es kaum glauben – aber dieses Pferd befindet sich in der sagenumwobenen „Selbsthaltung“ – es benötigt nur noch feine Signale – und nicht die groben Anweisungen eines Kavalleristen, der erst wenige Monate zu Pferde, auf dem Weg nach Sibirien ist.

Ein „Hohe Schule Reiter“ würde eine solche Zügelführung aber höchstens zur Korrektur einsetzen.

Wirklich fachlich vollkommen absurd gerät das Ganze aber auch noch durch die Tatsache, dass man das Bild von Ridinger spiegelverkehrt nutzt - so dass der Reiter nun die Zügel in der falschen Hand führt - nämlich nicht in der linken - sondern in der rechten Hand!
Mag sein, die Firma Passier hat lediglich die falschen Leute für die Anzeige beauftragt und auch der „Entscheider“, diese Anzeige freizugeben, ist selbst Reitkunst-technisch eher in der Campagneschule anzutreffen – ein sehr gutes Bild der schlechten Reitkultur heutzutage und vor allem der Verblendung der schlecht ausgebildeten Reitlehrer wurde dennoch geschaffen.
Es ist Schade, dass man den heutigen Reitern nicht den puren Ridinger entgegen bringt und erklärt wie die Reiter seinerzeit geritten sind. Es würde ein anderes und hilfreiches inneres Bildnis für viele Reiter erschaffen – das wesentlich erstrebenswerter wäre, als die Bilder der heutigen Reiterei auf den Turnierplätzen.
Ferner würde ich es überaus begrüßen, wenn eine renomierte Firma, für die ich Passier ungeachtet der Anzeige halte, sich in ihrer Aussendarstellung ebenfalls fachlich versiert darstellen würde.
Dringender Tip – die Agentur wechseln und Leute mit Sachverstand die Anzeige vor Freigabe „prüfen“ lassen.

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ein Jahr danach

April25

Mit dem heutigen Tage ist es nun mehr ein Jahr her, dass uns die Nachricht vom Tode Jean-Claude Racinets ereilte.

Es war eine voraussehbare und dennoch betrübende Nachricht.
Voraussehbar, wenn man die Zeit nach dem verherenden Vorfall zurückdenkt:

„Am 17. September 2008, verunglückte der 79jährige bei einem Kurs in Hamburg, wo er von einem Isländer stürzte. Zwei Monate musste er in einem Hamburger Krankenhaus liegen, ehe er für die Heimreise in die USA transportfähig war; bis zu seinem Tod lag er dort in einem Hospital in Lexington.“

Ein erstes Jahr liegt hinter uns, in dem wir ohne ihn auskommen mussten – die Befürchtungen waren groß – die Zukunft so ungewiss.
Viele von uns haben sich auf den Weg gemacht, durch ihn angeleitet – einen Weg den er vorbereitet hat. Doch wo würde der Weg hinführen, nun da er nicht mehr da war?

Konnte man den Weg von nun an ohne ihn überhaupt weiter beschreiten?

Die Antwort war zunächst schwer zu sehen – und doch war sie so naheliegend.
Den Weg den Racinet uns ebnete war ein Weg den er selbst beschritten hatte – kein Weg mit einem Ende – ein Weg mit einer Richtung und einem Ziel – dem Weg selbst.
Sein Weg war zu Ende, unser hatte erst angefangen – und siehe da – im Geiste war er doch immer anwesend.
Der Weg war eine „Suche“ – die Suche nach der so geliebten Légèreté, die Suche nach einer „besseren“ Welt für die so geliebten Pferde und das geliebte Reiten.
Seine Auffassung, seine Lehre war nie in Stein gemeisselt, so sah er auch die Lehre Bauchers, seine Lehre befand sich im Wandel, ständig bereit auch kritisch betrachtet geändert werden zu können.
Was gestern gültig war, muss morgen nicht zwingend bestand haben und doch sollte man sich mit dem vergangenen befassen, denn andere hatten viele Antworten bereits gefunden, doch sie zu hinterfragen sollte erlaubt, ja sogar erwünscht sein.
Im Gegensatz zu vielen anderen war Jean-Claude Racinet niemand, der rhetorisch geschickt Phrasen zu unumstösslichen Gedankenkonstrukten aufbaute und sich im Dogmatismus ausruhte – er hatte keine einzig wahre oder reine Lehre. Seine Wahrheit lag beim Pferd selbst.
Es gibt viele die heute „á la“ reiten – man spannt sich ein Buch, einen Menschen, soogenannte Ausbilder vor den „Karren“ und giesst deren Lehre in Zement – manchmal ist es einfach, nur unumstösslich „klassisch“ – ohne zuzulassen eine genauere Defintion zu geben, oder eigenes Handeln hinterfragen zu wollen.
Hier stand Racinet nun mit erhobenem Zeigefinger – bereit dem Dogmatismus gegenüberzutreten, denn er nahm die so bewerten Lehren und unterzog sie kritisch der Prüfung.
Beschreitet man seinen vorgegebenen Weg – dann wird klar:
Man kann nicht „á la“ Racinet reiten! Und doch wird es Leute geben, die „Reiten á la Racinet“ als Reitlehre anpreisen!
Er hat uns keine fertige Reitlehre hinterlassen, die von vorne nach hinten „befolgt“ werden soll – es gibt keine „Richtlinien“, keine „Ecole de“.
Kein Buch war wertlos und wieder keines komplett wertvoll – keiner der alten, als auch neueren „Meister“ war unangreiflich.
Nein – seine Hinterlassenschaft ist eine „Grundeinstellung“, seine Form der Suche nach Légèreté ist in erster Linie eine Geisteshaltung.
Er hatte aufgerufen, das Reiten in einem „ganzheitlichen Ansatz“ zu sehen – ja sogar als „ganzheitliche Reitkunst“ (another horsemanship) definiert.
Er war weit vorgedrungen – wahrscheinlich weiter als die meisten es je waren und weiter als es zukünftig jemandem gelingen wird.
Seine Hinterlassenschaft ist nicht komplettiert und gottseidank wird sie es nie sein – aber das Vorhandene gilt es zu wahren.
Wir die das Glück hatten ihn kennenzulernen zu haben sind aufgerufen in seinem Sinne den eigenen Weg zu beschreiten und nicht à la Racinet zu reiten, sonder „avec Racinet“ zu reiten – mit ihm im Geiste, denn eins ist klar – er wird nie wirklich fehlen, er ist immer da, sofern man seinen Weg weiter beschreitet.

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Reiten = Kunst?

April1

Wann wird eigentlich Reiten zur Kunst –
und muss Kunst zwingend einen hohen Anspruch haben,
ist sie gar wenigen vorenthalten sie zu erschaffen?

In Zeiten vor und nach Gueriniere hatte die Reiterei vor allem der Kriegsführung zu dienen –
sie war Mittel zum Zweck und der Zweck heiligte die Mittel, wie ein altes deutsches Sprichwort sagt.
Dennoch gab es immer wieder Reiter, welche sich mit der Reiterei nebenher als Kunstform, befassten.
Während des Barocks hatte diese Betätigung sogar Hochkonjunktur, man ritt l’art pour l’art – Kunst um der Kunst willen.
Doch wo lag und liegt die Kunst in der Reiterei? Wie wird man Reitkünstler?
Braucht es dazu ein iberisches Pferd und Feder geschmückten Hut?

Keineswegs – denn die Reitkunst unterscheidet sich von anderen bildenden Künsten darin, dass nicht das entstandene Werk am Schluss die Kunst darstellt, sondern wenn man so will der Weg das Ziel ist.
Die Kunst in der Reiterei ist so vergänglich wie kaum ein Werk anderer Künste – es entsteht durch das sich bewegende Pferd – nicht der Reiter im Sattel wird zum Mittelpunkt der Betrachtung des Kunst konsumierenden Zuschauers – sondern einzig das Pferd.

Wer sich also mit der Reiterei als Kunstform (bildende Kunst) befasst, der reitet, um sich und sein Pferd zu „bilden“ – weiter zu entwickeln – Eine Entwicklung mit maximal einem Anfangspunkt, mit Sicherheit keinem Endpunkt, wobei der Anfangspunkt aber frei zu setzen ist.

Es geht nicht um Alter oder einem subjektiven Leistungsstand.

Es geht also nicht um Niveau im sportlichen Sinne, im Vergleich zu anderen, sondern Niveau, lediglich im Sinnbild von „niveauvoll“.
Niveauvoller Umgang bedarf es an Manieren und Umgangsformen.

Das Pferd wird zur Hofdame – der Reiter zum werbenden Prinzen.

Dabei kommt es darauf an, nicht nur der Dame den Hof zu machen, sondern ihr geschicklich Gutes angedeien zu lassen, sie im bestmöglichen Lichte des Moments „erstrahlen“ zu lassen.
Nun wählt jeder Prinz seine Herzensdame anders – so ist also die Kunst in der Reiterei nicht einer Pferderasse vorenthalten – sondern eine jede hat die Möglichkeit und auch das Recht im Auge des sie umwerbenden Prinzen (Reiters) zu „erstrahlen“.

Ein Erstrahlen kann aber nicht erzwungen werden –so kann eine zwanghafte Vorgabe von Bewegungen, Figuren und Tempi nicht in eine Kunst führen.
In der Kunst wird das Pferd zum Partner, ein Partner der erhört werden will – Lektionen haben einen Zeck – aber sie müssen „erfragt“ werden.

Ob Reiten zur Kunst wird, das entscheidet das Pferd – kein Richter, kein Zuschauer.

Ein Reiten im Wettbewerb wird nicht von Pferden bewertet – und im sportlichen Vergleich ist es oft schnell wie im Krieg – der Zweck heiligt die Mittel – So verbietet es dem Reitkünstler auch des sportlichen Wettbewerbs und so kann Reitkunst auch nicht im Sport zu finden sein.

Kunst wird also nicht durch Kleidung definiert, durch Reitweisen oder Lektionen – es geht nicht um Piaffen oder Galoppwechseln, es geht um das Reiten selbst – eine Fortbewegung gleich des Tempos oder der Gangart.

Der Reiter wird zum Künstler, wenn das Pferd zur Hofdame erstrahlt und zum Tanze bittet.

Wer als Zuschauer genau hinsieht – der wird Kunst erblicken – leider viel zu selten.

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Die Reitmeister: Otto Lörke

Oktober20

Otto Lörke gehörte zu den bedeutendensten Dressurreitern und -Ausbildern des letzten Jahrhunderts in Deutschland. Anbei einige zusammengestellte Infos zu diesem berühmten Reitmeister der jüngeren Geschichte.

Otto Lörke *16. November 1879 & gestorben 1957

Er wurde am 16. Nov. 1879 im zweiten Deutschen Kaiserreich (1871–1918), also Preussen, geboren.
Ohne besondere Vorbilder, wie es sonst in diesem schwierigen Sportzweig üblich ist, fand Lörke aus eigener Veranlagung und Gestaltungskraft zur Dressurreiterei. Zum ersten Mal fiel er als preussischer Garde-Ulan durch die Art seines Reitens und durch die von ihm gerittenen Pferde auf.

Das Garde-Ulanen-Regiment war eine Kavallerieeinheit der Königlich Preußischen Armee.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulanka

Otto Lörke wurde anschliessend in den kaiserlichen Marstall Willhelms II berufen und rückte bald zum Sattelmeister des Kaisers auf.
Sein besonderer Auftrag galt der Heranbildung sogenannter “Monument-Pferde”, Pferde die absolut sicher waren und bei geringster Hilfe richtig reagierten.

Nach dem ersten Weltkrieg errichtete Lörke in Berlin einen Dressurstall, der sich bald einen guten Namen machte. Als 1928 acht Generäle vor Hindenburg eine Generalsquadrille ritten, kamen alle acht Pferde aus dem Stall Lörke.
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Bilder der Reitmeister: Otto Lörke

Oktober20

Ein kleines Update… habe noch einige Bilder von Otto Lörke hinzugefügt:

Otto Lörke auf Kronos in der Piaffe

Otto Lörke auf Kronos in der Piaffe

loerke_1909
loerke_chronist

loerke_fanal

loerke_fanal2

loerke_descente

Die Suche nach dem Weg aus der Sackgasse

Oktober20

Viele Reiter in Deutschland haben gelernt sich auf einem Pferd „fortzubewegen“ (ich vermeide hier mal den Begriff „Reiten gelernt“) und Ihnen wurde dabei nur wenig Literatur an die Hand gegeben. Oftmals kam man sogar gänzlich ohne Literaturnachweis aus - einigen wurde noch das kleine blaue Taschenbuch der FN (Richtlinien Reiten und Fahren) ans Herz gelegt – und schaut man sich in dem ja nun nicht gerade kleinen Regal der verfügbaren „neueren“ Bücher der Nachkriegszeit bis heute um, so fällt auf, dass die größte Anzahl der Dressurliteratur doch wieder auf die Richtlinien Reiten und Fahren oder dem Vorgänger, der HDV 12 zurückzuverfolgen ist.
Bei der Lektüre dieser Schriften, hört man förmlich den noch immer üblichen Ton des Reitlehrers, wie er in militärischer Exerzier-Lautstärke, die anscheinend auswendiggelernten „Phrasen“ des Büchleins in die Richtung der völlig ahnungslosen Gruppe von Reitschülern „schleudert“.
Dazu kommen übliche Worthülsen:
„Hacken tief“, „vorwärts treiben“, „Beine ran“, „Aussen ran“, ruft man sich dazu die Geschwindigkeit und den produzierten Schweiß ins Gedächtnis – wird einem heute noch schwindelig (Vorausgesetzt, man praktiziert heute weiterhin diesen Stil der Exerzier-Dressur).
Die heutige Reiterei verbirgt eigentlich keineswegs, woher sie kommt, nämlich aus den Kasernen der Militärs von Preussen und des „deutschen Reiches“, geschichtliche Kapitel, deren Traditionen wir doch sonst so kritisch bis ablehnend gegenüber stehen.
Überspitzt und “gewagt provokant” die These in den Raum gestellt: Hat Deutschland den Krieg gewonnen?
Darüberhinaus verwendet die Führungsriege der Reiterlichen Vereinigung so herlich „unangreifbare“ Begriffe wie „klassich“ und „reine Lehre“.
In Nebensätzen erwähnt man dann noch, dass sich die Lehre in der Tradition der „alten Meister“ zur „Bewahrung der Reitkunst“ aufgebaut hat.
Wer will da noch widersprechen? Das hört sich ja alles sehr schön und unwiderruflich an.
Nun ist aber die Diskussion über das Reiten im Sport derer Tage mehr in der Diskussion, als von den Verantwortlichen sicherlich erwünscht. Man sieht Auswüchse, wo sogar der Laie merkt – hier läuft was falsch? Aber was…?
Allen wird deutlich – es muss etwas getan werden… Aber was…?
Ich glaube nicht, dass es damit getan ist, Dopinggesetze zu verschärfen, Richter zu schulen und „Teile“ der Richtlinien umzuschreiben und mit Fotos zu „garnieren“.
Zuerst einmal sollte man sich „besinnen“ und kritisch hinterfragen, wo man herkommt und wohin man will, und die Konsequenzen daraus in vollem Bewusstsein ziehen.
So, wie es jeder Einzelne Tag für Tag macht und das Reiten im Sport aufgibt, der deutschen Reitlehre den Rücken kehrt oder das Reiten schlimmstenfalls sogar gänzlich aufgibt.

Folgende „besinnliche“ Leitmotive zur Aufarbeitung würde ich der FN gerne ans Herz legen:
• Die reiterliche Geschichte fängt nicht im 20. Jahrhundert an und vor ihr gab es nicht lediglich Steinbrecht
• Nennen Sie „offen“ die Quellen der Geschichte – Frankreich ist ja nun heute nicht mehr das Sinnbild eines „Erzfeindes“
• Arbeiten Sie die Herkunft von Begriffen mit guten Übersetzern in historischem Kontext auf – (z.B. Parade, Anlehnung, Beizäumung, Vorwärts)
• Ein Weg für alle Rassen? Es geht nicht…
• Sollte eine reiterliche Ausbildung von Anfang an auf sportlichen Wettkampf ausgerichtet sein?
• Welches Motiv sollte eine Reitlehre haben?

„Traduttore, traditore!“, so lautet ein italienisches Sprichwort und bringt damit eine jede Übersetzung auf den Punkt: Der Übersetzer (traduttore) ist immer ein Verräter (traditore) des zu übersetzenden Textes, dem Autor und auch dem Leser gegenüber.
Die Wurzel liegt hier sicherlich begraben und dieser sollte man sich stellen.
Es gab eine Zeit in der jeder gebildete „Preusse“ französisch sprach, nur für Ungebildete wurden Übersetzungen angefertigt. Ferner muss man die Verfasser und die Zielgruppen, der in deutsch verfassten Texte kritisch hinterfragen und in zeiltichen Kontext bringen.
Statt Arbeitsgruppen darüber philosophieren zu lassen, wie man das eigene Manifest, ein wenig überarbeiten könnte, um den Geistern die man rief zu entkommen, sollte man sich mit diesen verbünden und ihre Herkunft erkunden.

Der bisher beschrittene Weg hat in eine Sackgasse geführt – Es gibt Wege hinaus… dabei muss man nicht das Rad neu erfinden…

Bücher über die Reitkunst (kostenlos) online lesen

Oktober10

dank der, sicherlich “diskussionswürdigen”, Digitalisierungsarbeit von Google und anderen Plattformen, finden immer mehr “alte Schätze”, die teilweise gar nicht mehr erhältlich sind, ihren Weg in das digitale Bücherregal des Internets.
So hat man Zugang zu deutschen, englischen und französischen Werken, wie:
Baucher, la Guérinière, Xenophon, Dupaty de Clam, Carl Gräfe, James Fillis etc.

Einige der interessantesten Werke findet ihr hier mit den dazugehörigen links aufgelistet:

http://www.reitkunst-forum.de/viewforum.php?f=4

Das ist sicherlich kein Ersatz für das “handfeste” Buch im Regal, welches seinen Charme noch lange nicht verloren hat - aber es bietet eine Möglichkeit einen Blick auf teilweise nicht mehr erhältliche geschriebene Worte zu werfen - oder sie einmal in einer anderen Sprache an bekannten deutschen Texten zu “erporben”

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